Historische Entwicklung

Als sich die übrigen Sektionen des damaligen Verbands der Schweizer Berufsfotografen (SBf) zwischen 2003 und 2008 für die Abschaffung der Fotografenausbildung auszusprechen begannen, stellten sich die Mitglieder der Westschweizer Sektion entschlossen gegen diesen Vorschlag.

In ihrem Schreiben vom 24. September 2008 teilte Bundesrätin Doris Leuthard der Waadtländer Regierungsrätin Anne-Catherine Lyon mit, dass sie das Reglement über die Ausbildung und die Lehrabschlussprüfung für den Beruf des Fotografen nicht vor 2013 aufzuheben gedenke. In diesem Schreiben kündigte sie ebenfalls an, dass eine neue, national tätige Trägerschaft geschaffen werden müsse, die die Reform der beruflichen Grundbildung in die Hand nehmen könne.
 
Diesem Entscheid gingen ein jahrelanger Kampf, jahrelange Diskussionen und verschiedenste Interventionen (Presse, Lobbyisten) voraus. Zudem forderte eine von etwas mehr als 4200 Personen aus der ganzen Schweiz unterzeichnete Petition von Bundesrätin Doris Leuthard, auf die Abschaffung der Fotografenausbildung zu verzichten.
 
Schliesslich wurde im Oktober 2008 mit der USPP (Union Suisse des Photographes Professionnels – Vereinigung der Schweizer Berufsfotografen) ein neuer Verband gegründet, den 99 Prozent der Mitglieder der Westschweizer Sektion des ehemaligen SBf sofort anerkannten. Diesem neuen Verband wurde die Verantwortung für die Reform der beruflichen Grundbildung der Fotografinnen und Fotografen übertragen.
 
Es bleibt festzuhalten, dass der einzige Streitpunkt zwischen der USPP und den Mitgliedern der SBf (und der Vereinigung fotografischer GestalterInnen vfg) die Frage war, ob die Fotografenlehre abgeschafft werden sollte oder nicht. Das gut strukturierte und durchlässige Schweizer Bildungssystem begünstigt eine ausgezeichnete Zusammenarbeit und ermöglicht es Fachleuten, ihre berufliche Grundbildung auf Sekundarstufe II, die sie mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) abschliessen, mit einer Ausbildung an einer höheren Fachschule (HF) abzurunden und so einen Abschluss der Tertiärstufe B zu erlangen, wobei ihnen auch ein Studium an einer Fachhochschule (FH) offen steht. Wir sind der Meinung, dass wir mit diesem System bestens für die Herausforderungen unseres Berufs gewappnet sind. Es ist uns bewusst, dass sich unser Beruf ständig verändert. Müssen wir deshalb aber gleich die Lehre abschaffen, eine bewährte und eidgenössisch anerkannte Ausbildungsform, um die uns ganz Europa beneidet?
 
Die USPP hat bewiesen, dass sie bereit ist, sich für die Berufsbildung zu engagieren, wurde sie doch als von der Schweizerischen Direktorenkonferenz der Schulen für Gestaltung (SDSfG) anerkanntes Organ mit der Umsetzung des neuen Rahmenlehrplans für Bildungsgänge der höheren Fachschulen (Rahmenlehrpläne «bildende Kunst» und «Produktdesign») betraut und hat diesen mitunterzeichnet.

Im Auftrag des BBT führten wir von September 2009 bis Februar 2010 gemeinsam mit dem Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) verschiedene Workshops durch, um die Grundzüge des Fotografenberufs der Zukunft zu umreissen. Diese Analyse bildet das Rückgrat für die Erarbeitung der neuen Bildungsverordnung. Anschliessend gründeten wir eine Reformkommission, die mit der Führung der Arbeiten an der Verordnung über die berufliche Grundbildung Fotografin EFZ/Fotograf EFZ betraut wurde. Am 19. Mai 2010 teilte uns das BBT mit, dass unser Antrag auf ein Vorticket angenommen wurde.

Zwischen August und November 2010 kam die Reformkommission mehrmals in Bern oder Lausanne zusammen, um den Bildungsplan zu verfassen. Zudem trafen wir uns in Bern, Zürich und Vevey mit unseren Berufskollegen, um sie über den Stand unserer Arbeiten zu informieren. Ein Treffen mit einer Delegation der Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK) stand ebenfalls auf dem Programm.

Am 7. Dezember 2011 reichten wir beim BBT unseren Ticket-Antrag ein. Am 13. Januar 2012 teilte uns das BBT mit, dass unser Antrag angenommen wurde. Damit konnte die Vernehmlassung bei den Kantonen, den Berufsbildungsverantwortlichen und den betroffenen Berufsverbänden beginnen. Nach einem reibungslosen Ablauf des Vernehmlassungsverfahrens traf sich die Reformkommission am 4. Juli 2012 im Haus der Kantone in Bern zu einer Abschlusssitzung.

Am 31. Juli 2012 schliesslich unterzeichnete Blaise Roulet, geschäftsführender Vizedirektor des BBT, die Verordnung über die berufliche Grundbildung Fotografin EFZ/Fotograf EFZ und den zugehörigen Bildungsplan. Damit kann die überarbeitete Fotografenausbildung am 1. Januar 2013 in Kraft treten.